Wenn einer eine Reise tut…….

  dann hat er was über eine großartige Bootsfahrt im Osten von Deutschland zu erzählen.

Wir waren auf der

Mecklenburger Seenplatte

-  Müritz, Nebenseen und Kanäle –

 

Vor vielen Jahren hatte ich mich mal mit dem Gedanken befasst, ein Hausboot zu mieten, um die französischen Kanäle zu erforschen. 

Da gab es die Firma Locaboat (www.locaboat.de ). Also Katalog angefordert!

Sofort fiel mir ein mir unbekanntes Gebiet ein. Ein Anruf in Dresden und mein Freund Peter Möbius und seine Frau  Bettina  waren dabei. Wir drei wollten die  Pioniere für unseren Freundeskreis sein.

Also los, von  Valencia  über  Köln  nach Berlin. Fürchterlicher Regen begrüßte mich.

 

Der  nächste  Tag (Freitag der 28.09.2007), wechselndes  Wetter  begleitete  mich  bei etlichen  Einkäufen und einer  Stadtrundfahrt. Der  gläserne Hauptbahnhof, der  Reichstag, das Kanzleramt (Frau Merkel war nicht da), das Schloß Belvedere (Sitz von Herrn Köhler) u.v.m. kennt man, aber nicht viele kennen das  KADEWE  und hier besonders die „Fressmeile“. Das ist ein Besuch auf alle Fälle wert !

                                     Peter und Bettina tauchen auf, Kleinigkeiten wurden noch eingekauft, dann Abendessen bei „Bella“, einer urigen, schon zu DDR-Zeiten bestehenden Laubenkoloniekneipe.

 Der Samstag  war  mit etwas  Nervosität  belastet, denn nach langer  Zeit sollte ich mal wieder ein  Motorboot von  11,20m  Länge  steuern. Wir erreichten unseren Abfahrtsort Matzlow an  der  Elde (Mecklenburg). Richtig: es war und ist nicht die Elbe, sondern die kanalisierter Elde (180 km lang), die die Müritz  mit der  Elbe/ Dömitz  verbindet. Dort  wurden  wir  von  zwei  sehr  freundlichen  Mitarbeitern  der  Firma  „ Locaboat“  begrüsst, die  uns nach  dem  Mittagessen in  die  Geheimnisse einer  „Penichette“  einweihten, doch die große Überraschung war, dass wir ein noch größeres Boot erhielten, 12,60 m lang, mit  dem  Namen  „Klink“ ( Ort  an der Müritz ). Mann, war  ich  nervös, Peter  schaute  mich öfters skeptisch  von der Seite an, aber nach der  Einweisungsfahrt waren wir beide doch recht zuversichtlich. 

Klamotten aufs Boot und ablegen, wir wollten den  Tag  noch  bis  nach  Parchim.  Die erste  Schleuse,  eine  Selbstbedienungsschleuse, machte  uns  Kopfzerbrechen, aber  es klappte prima, wir  waren  richtig  stolz  auf  uns. Eine  beschauliche  Fahrt  über  diese Kanalstrecke, Wälder und Wiesen  beidseitig, viel  Vieh,  immer  neugierige  Schwäne, viele  Raubvögel, idyllische  Campingplätze  und  Wochenendhütten  mit  wachsamen Hunden. Die Schleuse Parchim wurde schnell passiert, aber die Dunkelheit holte uns ein.

Verdammt, wo  war  denn  die  Einfahrt  zum  Hafen, überall  Schilf, kein  Licht, keine Bojen, rein nichts ich wurde langsam nervös, also Versuch durch eine schmale Wasserrinne, Peter als Ausguck und Navigator am Bug.  Rechts und links Schemen von Hütten und  kleinen  Booten. Unsere  Taschenlampenfahrt  wurde  belohnt, plötzlich  Licht, der Stadthafen war erreicht. Luft ablassen,  Bierchen,  Schnäpschen und die Welt sah schon wieder besser aus. Aus  der  Dunkelheit  schälte  sich  dann  ein Schiff heraus, Taschenlampen blinkten auf, die „Fürstenberg“, die mit uns  Matzlow  verlassen hatte, erreichte ebenfalls  diesen  Hafen.

Mit  dem  „Brauhaus“ , im  romantischen  Stadtzentrum  gelegen, fanden wir dann auch das für uns entsprechend gute Futter und eine prima Tränke.

Am nächsten  Morgen verließen wir diesen schönen Ort mit seinem nun bei Helligkeit sichtbar gepflegten Hafen und steuerten auf dem Kanal  den Ort Lübz an, bekannt für sein leckeres Bier! Doch wir wollten heute etwas weiter kommen.

Unsere ruhige Fahrt auf der  Müritz-Elde-Wasserstrasse  wurde lediglich durch einige Schleusen unterbrochen, freundliche Schleusenwärter/innen ermöglichten uns ein flottes Weiterkommen. Erstmals sahen wir auch Eisvögel.

Etwas unheimlich wurde uns die Fahrt bei den teilweise weit über das Kanalbett hinausragenden Ästen, was ist, wenn uns jetzt ein großes Boot entgegen kommt?  Kam  keins, möglicherweise war vor uns gewarnt worden!?!

Am Nachmittag erreichten wir PLAU am See (Plauer See). Die Schleuse mit der darüber führenden hölzernen Fußgängerbrücke (Hühnerleiter genannt) war schnell passiert, doch dann  versperrte  uns die aus dem Fernsehen bekannte  Hubseilbrücke (1916) den Weg.

Nach einiger  Wartezeit  kamen  uns einige Schiffe entgegen, dann erhielten wir grünes Licht  und  fuhren unter der Hubseilbrücke,  mit Lächeln und Winken  für  die beidseitig stehenden uns fotografierenden Touristen gedacht, hindurch, steuerten den Hafen an.

Hier legten wir erstmals mit einen Motorboot rückwärts an, es klappte. Wir staunten über uns selbst.

Wir fanden einen vorzüglichen Hafen vor. Der Hafenmeister zog sofort am Hafenmast die spanische Flagge hoch, nachdem  er  erfuhr, dass  ich  aus  Spanien  bin. Nach einem Anleger (Bier  und  Schnäpschen) ging es unter die Dusche, fein anziehen und ab ins Städtchen. Teilweise sehr schön restauriert.

Ich kannte Plau schon von einem Besuch vor 5 Wochen. Herbert Hamacher, wir kennen uns aus Köln, hatte mich damals an ein Hotel in Plau (www.seeresidenzgesundbrunn.de) verwiesen. Im Restaurant  „Fackelgarten“  alles besetzt, also nächstes Lokal, hier hatten wir Glück . Plau am See ist eben sehr beliebt!

Am nächsten Tag, Montag, der 1.Oktober, überquerten wir den  „Plauer See“, einen der noch vielen in der nächsten Zeit. Erst wollten wir den Südteil des Sees erforschen, er ist landschaftlich sehr reizvoll, aber wir wollten den ersten Teil dieser Reise bald möglichst hinter uns bringen, also  schnurgerade  über  den  See. Vorbei an  im  Wasser  stehenden Fischerhütten  verließen  wir  Plau  und  steuerten den  ungefähren  Kurs  75°, um  den „Lenzer Kanal“, einen Durchbruch zum Petersdorfer  See, zu erreichen. Jetzt hatten die Fahrgastschiffe Vorfahrt, trotz  einer Geschwindigkeitsbeschränkung  wurde  ein  recht schnelles Tempo (10 km/h) gefahren.

    Bald kam Malchow in Sicht, die Klosterkirche  ist  weit  sichtbar. Vor der Strassendrehbrücke  in Malchow, einem  technischen Denkmal (geöffnet stündlich) stauten sich die durchfahrenden Boote. Über Malchower und Fleesensee, beide  vom üblichen Schilfgürtel und  Wälder, jedoch  auch  Wiesen, eingerahmt, ereichten  wir durch  den „Göhrener Kanal“ den Kölpinsee. Die Nordseite, hier befindet sich ein großes Wisent Freigehege (gesperrt) und die Südseite dieses Sees sind nicht zugänglich, flache Stellen und Steine.

Im „Reekkanal“ war Betrieb angesagt, man merkte die Nähe von Waren. Die Ausfahrt aus dem Kanal überrascht mit einem schönen Blick auf Waren.

Hier legten wir im Stadthafen direkt am Kai an, zwar ohne Wasseranschluss und ohne Strom, aber mitten im Stadtleben. Nach einem Stadtrundgang, sehenswerte  Fachwerkbauten, die St. Georg und St. Marienkirche und den Rathausplatz, ging es nur kurz aufs Schiff. Die Auswahl an Kneipen für den Abend in unmittelbarer Nähe war eben groß.

Nun ging es auf die große Müritz (2.10.).Welch  ein  Anblick! Kormorane  überall, aber auch ein Seeadler strich durch die Luft. Hinter den  üblichen  Schilfgürteln  tiefe Wälder zur Linken, unsere  „Penichette“  tuckerte  ohne  Schwierigkeiten von Ort zu Ort. Schon bald sahen wir Röbel, bzw., die alles überragende Backsteinkirche, von deren Aussichtsplattform man einen herrlichen Blick über die  gesamte Müritz  hat.

Der Stadthafen liegt an einer neuen, schönen Uferpromenade, verfügt über Wasser und Strom, öffentliche Toiletten, sonst aber leider nichts. Wären da nicht die Fahrgastschiffe, es wäre menschenleer.

Mit Staunen  beobachten  wir  die  Wildgänse-Schwärme, wobei  wir bis zu 50 Gänse in einem Schwarm zählten. Sie  machten  Rast auf  benachbarten Wiesen, morgens wurden wir durch das Geschnatter geweckt. Sie sammelten Kraft für den  Flug nach Afrika, teilweise sind sie 100 Stunden ohne Unterbrechung in der Luft.

Heute ist Feiertag (3.10.)und wir verlassen Röbel, steuern den letzten Teil der Müritz an. Links liegt Rechlin, früher Erprobungsstelle der NS-Luftwaffe, der  Schauspieler  Heinz Rühmann machte hier seinen Flugschein. Wir überqueren die kleine Müritz und fahren in die Müritz-Havel-Wasserstrasse ein. Etliche Fahrgastschiffe überholen oder begegnen uns, ein  schöner  Oktobertag (Indian Summer), dann  noch  die Schleuse  Mirow. Kurz danach  nach  backbord, wir  haben  Mirow erreicht.

Der Stadthafen erschien uns unheimlich, so fuhren wir weiter zum Hafen der früheren Werft Rick & Rick. Rückwärts anlegen, kein Problem mehr! Wer sagst denn!

Wir lagen an der  Schlossinsel, das Barockschloss, das Torhaus und die gotische Pfarr-Kirche St.Johannis im Rücken. Ein schöner Schlosspark und ein romantischer Liegeplatz.

Wir treffen wieder auf die „Priepert“, eine Penichette 930, deren Mannschaft aus einem amerikanischen Ehepaar besteht, Tim und seine Frau.

Der Abend wird in der „Blauen Maus“ (Restaurant) abgeschlossen.

Noch zwei Tage bis zu unserem Ziel. Heute wollen wir bis Strasen. Weiter geht es durch Kanäle und über  kleinere, schilfumsäumte Seen. Das Wetter, mal  blauer  Himmel, mal Wolken, ist aber angenehm, eben ein  früher  Herbsttag. Die Schleusen von Diemitz und Canow sind  schnell  passiert, die  Abfahrt nach  Rheinsberg wird rechts liegen gelassen.

Doch mit einem zumutbaren Liegeplatz in Strasen, das einen sehr verlassenen Eindruck macht, kann nicht gedient werden. Neben dem  Hotel  „Zum Löwen“ kann ein  längeres Boot Platz finden, aber das Wehr sprudelt laut, auch Nachts.

Gegenüber ein Hafenbecken(!), versumpft und nicht vertrauenserweckend. Also was tun? Weiter  zur  nächsten  Anlegemöglichkeit. Schnell wurde geschleust und nach  einigen  hundert  Metern ein  Yachthafen (Ferienpark  am  Ellenbogensee), aber obwohl Liegeplätze unserer Ansicht nach frei waren, wurde alles als belegt ausgewiesen.

Doch zum Glück war gegenüber ein Anlegesteg für ca. 20 Boote verschiedener Länge. Die „Priepert“ taucht auf, legt auch an. Abends gehen wir zusammen in den „Löwen“, den uns angebotenen Trabbi-Pendeldienst nehmen wir nicht in Anspruch.

Der letzte Reisetag, die „Priepert“ war schon früh unterwegs nach Fürstenberg, zeigt uns wieder die inzwischen liebgewordenen Uferbegrenzungen. Fischreiher lassen sich nicht von uns  stören, Angler waren nicht so nervenstark. Die letzten zwei Schleusen und wir legten bei Locaboat in Fürstenberg wieder mal rückwärts an. Profilike!!!

Rückgabe des Bootes, Auto holen, packen und am nächsten Morgen: Abreise, Berlin, Rückflug, also das übliche Prozedere. 

Für uns war diese Hausbootsreise eine neue, aber sehr angenehme Erfahrung, die wir gerne mal wiederholen möchte. Hasta luego !