Wasserarbeit

Wasser als Tätigkeitsfeld für vierbeinige Wasserratten

Wasserarbeit als Freizeitbeschäftigung für Mensch und Hund ist hierzulande noch relativ jung, hat aber tatsächlich schon eine lange Tradition.

Gerade Rassen wie Neufundländer und Landseer haben eine angeborene Affinität zum Wasser, und die Geschichten beider Rassen sind untrennbar mit dem nassen Element verknüpft. So wurden die Hunde in früheren Zeiten als Helfer der Fischer und Seeleute eingesetzt, fuhren auf Booten und bewachten Fischernetze. Das Apportieren ins Wasser gefallener Gegenstände, das Einholen von Leinen und das Schleppen kleiner Boote gehörten zu den Aufgaben der vierbeinigen Schwimmer. Der ein oder andere von ihnen rettete gar in Not geratene Seeleute vor dem Ertrinken.

Die ehemaligen vierbeinigen Fischereigehilfen sind mittlerweile überwiegend arbeitslos geworden. Allerdings wird das, was früher Alltagsgeschäft war, in jüngster Zeit verstärkt als sinnvolle Hundesportart wieder belebt. Heute gibt es in fast allen europäischen Ländern Wasserarbeitsgruppen

Lesen Sie trotzdem weiter, auch wenn Ihr persönlicher Wasserarbeiter keiner der beiden genannten Rassen angehört. Denn Wasserarbeit ist nicht nur eine tolle Beschäftigungsmöglichkeit für Neufundländer, Landseer und Co! Jede Rasse ist in der Lage, Übungen erfolgreich zu absolvieren. Warum soll sich ihr wasserverrückter Dackel nicht in die Fluten stürzen? Er wird zwar bestimmt keine Menschen vor dem Ertrinken retten oder ein Surfbrett abschleppen – aber es macht ihm mit Sicherheit einen Riesenspaß, ein kleines Modellboot zu bergen oder den Mini-Dummy aus den Fluten zu holen. Wasserarbeit ist nicht nur etwas für Youngsters.

Schwimmen lernen
"Das kann mein Hund doch schon längst", mögen Sie sagen. Das ist natürlich ideal, aber auch Hunde, die bislang noch nicht ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren im kühlen Nass geplanscht haben, können begeisterte Wasserarbeiter werden. Dazu wird der Hund an leicht zugänglichen, flach verlaufenden Stellen vom Hundeführer ins Wasser gelockt. Dass Sie als Mensch dabei keine Angst vor nassen Füßen haben sollten, ist klar. Sie starten mit einem gemeinsamem Spiel im flachen Wasser und arbeiten sich Stück für Stück in tiefere Gefilde vor. Dass es für Sie absolut tabu ist, den Hund buchstäblich ins kalte Wasser zu werfen, ist Ihnen ja selbstverständlich – oder haben Sie selber etwa auf diese Art und Weise Schwimmen und das Wasser lieben gelernt? Sicher nicht.

 Sprung ins Wasser von Ufern, Stegen und Booten

Ins Wasser gesprungen wird erst, wenn der Hund sicher schwimmt. Der Sprung ins Wasser wird aus verschiedenen Höhen, von verschiedenen Ufern, von Stegen und vom Boot aus separat trainiert – ohne Zwang, versteht sich. Und auch im Boot mitfahren will gelernt sein, und wer aus dem Boot raushüpfen kann, muss lernen, vom Wasser aus auch wieder einzusteigen.

Konditionstraining

Damit Hund ohne große Ermüdung aus dem Wasser zurückkommt, ist Ausdauertraining beim Schwimmern gefragt. Dafür muss der vierbeinige Schwimmer zunächst lernen, dem Boot nachzuschwimmen. Man beginnt mit kurzen Strecken von etwa 20 Metern. Gut trainiert kann der Vierbeiner nach dem zweiten Lebensjahr problemlos einen Kilometer schwimmen.

Apportieren kleiner Gegenstände aus dem Wasser

Das Apportieren von Dummys und Spielzeugen wird zuerst an Land trainiert. Erst dann geht’s ins Wasser. Dort muss der Hund zunächst lernen, seinen Kopf ins Wasser zu tauchen, damit er sich daran gewöhnt, Wasser auch in den Ohren zu haben. Dafür taucht man den Apportiergegenstand zuerst nur einige Zentimeter unter die Wasseroberfläche und steigert dies allmählich bis zu einer Tiefe von 30 bis 40 cm.

Die Königsdisziplin: Boote ziehen und Menschen retten

Allmählich werden die zu apportierenden Gegenstände immer schwerer. Je nach Größe des Hundes soll der vierbeinige Rettungsschwimmer hinterher ein Boot oder Surfbrett, einen Menschen oder sogar mehrere Menschen ans sichere Ufer bringen können – zunächst alleine, später im Team mit anderen zwei- und vierbeinigen Wasserarbeitern. Dazu gehört natürlich auch das Bringen von Leinen von Boot zu Boot, das Überbringen von Rettungsmitteln wie Schwimmweste, Rettungsring etc.

Auch ganz wichtig: Ruhe bewahren

Und auch das gehört zur Wasserarbeit: Schwieriger, als die Hunde zu bewegen, aus fahrenden Booten oder gar aus dem Hubschrauber zu springen, ist es, den Vierbeiner so perfekt zu führen, dass er ruhig über vollbesetzte Strände spazieren kann, an denen Kinder unter viel Geschrei im Wasser toben. Auch muss er lernen, andere Hunde zu beobachten, die im Wasser arbeiten, ohne selbst hinein zu dürfen.

 Wasserarbeit als Prüfungsdisziplin und im "ernsthaften Einsatz"

Wer möchte, kann mit seinem Hund Prüfungen und Diplome in Sachen Wasserarbeit ablegen. Erkundigen Sie sich nach den verschiedenen Prüfungsordnungen.

Auch gibt es die Möglichkeit, die Wasserarbeit in einer geeigneten Rettungshundestaffel zu betreiben. Wer seinen Hund zum Wasserrettungshund ausbildet, sollte sich allerdings auch darüber im Klaren sein, dass der Hund auch ertrinken kann, wenn ein Ertrinkender sich in Panik an ihn klammert. In Rettungshundestaffeln werden Hunde deshalb nur mit einem Rettungsschwimmer gemeinsam eingesetzt.

 Wie wird die Wasserarbeit trainiert?

Wie bei allen Hundesportarten und –beschäftigungsmöglichweiten heißt es auch bei der Wasserarbeit: Seien Sie äußerst kritisch hinsichtlich der Trainingsmethoden. Druck ist wie immer fehl am Platze. Der Hund soll mit Freude bei der Sache sein. Nur ein selbstsicherer und zufriedener Hund ist dazu in der Lage, konzentriert zu arbeiten. Das fängt bereits bei der Gewöhnung ans Wasser an. Jegliche Art von Zwang könnte eine bleibende Grundlage für eine Antipathie gegenüber der Wasserarbeit schaffen.

Sie haben sich schon Ihr Schlauchboot geschnappt und sind mit Ihrem wasserbegeisterten Vierbeiner kurz vor dem Abmarsch zum nächsten Baggersee?
Dann nehmen Sie sich noch ein paar Sekunden Zeit und lesen die folgenden Tipps:

- Ihr Hund hat gerade ordentlich gefrühstückt? Dann lassen Sie ihm ein paar Stunden Ruhe, bevor er ins kühle Nass springt.

- Sorgen Sie dafür, dass der Hund nach dem Bad an Land wieder "warm gespielt“ wird - auch im Hochsommer – um Muskelverletzungen zu vermeiden.

- Werfen Sie nach der Wasserarbeit einen Blick in die Ohren Ihres Hundes und trocknen Sie sie ab. Bei empfindlichen Hunden kann es sonst zu Ohrenentzündungen kommen.

- Überfordern Sie Ihren Hund nicht. Lange Schwimmstrecken für den ungeübten Hund, während Sie bequem im Bötchen vorweg paddeln, sind unfair und eine Quälerei für den Hund. Ein entkräfteter Hund ertrinkt schnell! Wenn Ihr Hund nicht mehr gleichmäßig und ruhig schwimmt, sondern mit den Vorderpfoten „planscht“ und die Nasenlöcher zusammen kneift, ist es schon fast zu spät und höchste Eile geboten!

- Wenn Sie „Größeres“ vorhaben, trainieren Sie im Wasser nie alleine! Am besten schließen Sie sich ohnehin einer Wasserarbeitsgruppe an oder nehmen Kontakt zu erfahren „Wasserarbeitern“ auf, die Ihnen sicher gerne weiterhelfen.

Sollten Sie Interesse an der weiterführenden Wasserarbeit haben, benötigen Sie für sich einen Neoprenanzug, der Sie vor Kälte und vor allem vor den Hundekrallen schützt, und für den Hund ein speziell für die Wasserarbeit entwickeltes Rettungs- und Transportgeschirr. Dies ähnelt den bekannten Such-Geschirren für die Rettungshundearbeit an Land, besteht jedoch aus wesentlich breiteren Gurten und einem stabilen Griff am Rücken, mit dem der Hund leicht aus dem Wasser gezogen werden kann und an dem man sich im fortgeschrittenen Trainingsstadium festhalten kann, wenn der Hund einen aus dem Wasser zieht.

Und - last but not least: Ihr Hund sollte über einen guten Grundgehorsam verfügen, bevor Sie mit der Wasserarbeit beginnen. Eine wichtige Voraussetzung, um ihn im Wasser dirigieren zu können.

 Und wo kann ich Wasserarbeit erlernen?

Eine tolle Wasserarbeitsgruppe sollte frei von Druck und ohne Prüfungsstress im kühlen Nass trainieren.
Wasserarbeitsgruppen gibt’s im Umfeld der Neufundländer- und Landseer-Clubs. 

Einige Rettungshundestaffeln bringen ihren Hunden auch die Wasserarbeit bei. Erkundigen Sie sich diesbezüglich beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz, dem Bundesverband für das Rettungshundewesen oder dem Technischen Hilfswerk.